Enkelprojekt - Arbeiten am neuen Europa


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Arbeiten am neuen Europa: Gedächtnis - Aussöhnung - Entwicklung des neuen Europas

  Das polnish - deutsche Projekt für junge Generation



Das Projekt „Arbeiten am neuen Europa“, ein Angebot für junge Erwachsene aus Polen im Alter von 18 – 25 Jahren findet vom 15.6.2005 bis zum 15.9.2005 im Bistum Limburg statt. In dieser Zeit werden 9 Gäste aus Polen in Frankfurt zusammen leben, Praktikumserfahrungen sammeln, Land und Leuten begegnen sowie sich mit der gemeinsamen deutsch-polnisch-europäischen neueren Geschichte und Zukunft auseinandersetzen. Träger sind die Katholische Erwachsenenbildung-Bildungswerk Frankfurt am Main, die Bistumsstelle Limburg der Katholischen Friedensbewegung Pax Christi und „Arbeitsplätze schaffen mit Fantasie“, ein Projekt der Katholischen Stadtkirche Frankfurts.
„Arbeiten am neuen Europa“ steht im Schnittpunkt verschiedener Entwicklungen. Die Katholische Kirche im Bistum Limburg hat sich Ende der 90er Jahre dazu bekannt, dass sie während der Zeit des Nationalsozialismus in ihren Einrichtungen ZwangsarbeiterInnen eingesetzt hat. Die Fakten wurden in einer Ausstellung dokumentiert, die weiterhin unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit an zahlreichen Orten des Bistums gezeigt wird. Ein weiterer Schritt war die Suche nach noch lebenden Zwangsarbeiterinnen. 15 Personen konnten bis jetzt recherchiert werden. Sie erhielten den Besuch einer kleinen Gruppe, die eine Entschuldigung des Bistums und einen finanziellen Beitrag zur „Entschädigung“ überbrachte. Dieser Prozess war für alle Beteiligten sehr berührend und hat Türen für Neues geöffnet.
Parallel zu diesen Prozessen gibt es in Deutschland und Polen zunehmende Arbeitslosigkeit, insbesondere unter Jugendlichen. Viele Menschen aus den Beitrittsländern, aber auch aus anderen Ländern des Ostens und des Südens machen sich auf den Weg, um in unserem Wirtschaftsraum Arbeit zu suchen. Das wachsende neue Europa bringt also auch Fragen nach neuen gesetzlichen Regelungen und Zugangsbestimmungen, einem neuen Miteinander, mit sich. Wenn wir diese Fragen und Entwicklungen nicht gemeinsam wahrnehmen und bearbeiten und neue Beziehungen knüpfen, besteht die Gefahr, dass kurzsichtige Eigeninteressen die Chancen behindern oder ersticken, die in einer erweiterten europäischen und der anzustrebenden weltweiten Gemeinschaft liegen.
Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse und Entwicklungen entstand die Idee, jungen Erwachsenen, den Enkeln und anderen Nachkommen aus dem Umfeld der ZwangsarbeiterInnen, im Rahmen eines dreimonatigen Praktikums in deutschen Betrieben eine positive Arbeitserfahrung zu ermöglichen, die ihnen für ihren beruflichen Werdegang nützlich ist. Dazu gehören auch Anleitung vor Ort und ein qualifiziertes Zeugnis. Das Praktikum an drei Tagen (jeweils 6 Stunden) in der Woche wird sinnvoll verwertbare Kenntnisse und Fähigkeiten für die eigene Ausbildung vermitteln und einen Einblick in die Frankfurter Arbeitswelt bieten. Zum Abschluss der Praktikumszeit ist eine Auswertungsveranstaltung mit den AnleiterInnen der Praktikumsstellen geplant.
Zusätzlich sind ein Deutschkurs und ein Computerkurs vorgesehen. Beides wird auf die Bedürfnisse und Vorkenntnisse der TeilnehmerInnen abgestimmt.
Wir sehen unser Angebot als weiteren Beitrag zu Entschädigung und Versöhnung, aber darüber hinaus auch zur Gestaltung der gemeinsamen Zukunft in Europa.
Die unmittelbaren Erfahrungen werden wöchentlich gemeinsam reflektiert und durch Veranstaltungen zu anderen politischen, sozialen und kulturellen Themen ergänzt. Außerdem sind Kontakte zu anderen Organisationen die sich mit Zwangsarbeit beschäftigen und zur polnischen Katholischen Gemeinde vorgesehen.
Die Gäste werden als Gruppe in Doppelzimmern auf einer Etage des Kolpinghauses wohnen, zentral in der Frankfurter Innenstadt gelegen. Sie erhalten Haushaltsgeld und sollen als „FrankfurterInnen auf Zeit“ gemeinsam wirtschaften. 150,- Euro Taschengeld stehen ihnen monatlich für ihre persönlichen Bedürfnisse zur Verfügung.
Ein bis zwei Exkursionen sind zu den Einsatzstellen der Großeltern in kirchlichen Einrichtungen vorgesehen. Im Rahmen der Pax Christi-Diözesanversammlung wird es die Gelegenheit geben, mit Menschen zu sprechen, die sich in der Ausstellungsbetreuung „Zwangsarbeit in der Kirche“ engagiert haben. Wir informieren diesen Kreis, der mittlerweile mehrere hundert Personen umfasst, über das Projekt, laden zur Beteiligung am Programm ein und bitten um Spenden. Im Zusammenhang mit der schon traditionellen Versöhnungsarbeit von Pax Christi erwarten wir daraus neue Impulse für die Zukunft.
Daneben soll der Kontakt zu Gleichaltrigen nicht zu kurz kommen. In Abstimmung mit der Kath. Hochschulgemeinde und dem Referat Junge Erwachsene der Frankfurter Stadtkirche gibt es dazu zahlreiche Möglichkeiten, sowohl von inhaltlichen Angeboten als auch im Freizeitbereich. Die TeilnehmerInnen werden auf ihren Wunsch am Weltjugendtag in Köln teilnehmen und an einem vorbereitenden internationalen Programmangebot („magis“) der Jesuiten in Frankfurt.

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